GetMyInvoices Anbindungen holen Belege automatisch aus E-Mail-Postfächern, Lieferanten-Portalen, Banken und Kreditkarten und übergeben sie strukturiert an DATEV Unternehmen Online, Lexware Office oder BuchhaltungsButler. Sinnvoll ab vielen Belegquellen und engem Steuerberater-Workflow, überflüssig bei kleinem Beleg-Volumen aus wenigen Quellen.
GetMyInvoices Anbindungen lösen ein Problem, das jeder KMU-Geschäftsführer kennt: Am Monatsende liegen Rechnungen in 15 verschiedenen Lieferanten-Portalen, kommen halb-eingelesen per E-Mail, stecken in Amex-Abrechnungen oder warten als PDFs im Amazon-Business-Konto. Wer sie händisch zusammenträgt, verliert pro Monat einen halben Arbeitstag. Wer sie unstrukturiert an die Steuerkanzlei reicht, bekommt sie mit Rückfragen zurück.
Die Anbindungen versprechen, dass dieser Aufwand entfällt. In der Praxis ist es komplizierter. Manche Quellen laufen stabil, andere zicken regelmäßig. Manche Buchhaltungs-Ziele akzeptieren die Daten reibungslos, andere brauchen Vorbereitung durch den Steuerberater. Und in einem nicht kleinen Teil der Fälle ist GetMyInvoices die falsche Antwort auf die richtige Frage.
Dieser Leitfaden zeigt ehrlich, was bei welcher Anbindung funktioniert, wo es hakt, und welche drei Fragen Sie sich stellen sollten, bevor Sie irgendetwas einrichten. Wir automatisieren kein Chaos, wir räumen erst auf. Das gilt auch im Belegmanagement.
Was GetMyInvoices wirklich macht (und was nicht)
GetMyInvoices ist ein Beleg-Aggregator, kein Buchhaltungssystem. Das Tool sammelt Rechnungen aus unterschiedlichen Quellen ein, vereinheitlicht sie als PDF und Metadaten und reicht sie an ein nachgelagertes System weiter. Es bucht nicht, es prüft keine Konten, es erstellt keine Bilanz.
Wer das verwechselt, kauft die falsche Software. Wer nach Lexware-Office- oder DATEV-Ersatz sucht, ist bei GetMyInvoices falsch. Wer ein Tool sucht, das ihm den Beleg-Eingang abnimmt, ist richtig.
- Was GetMyInvoices kann: Belege aus E-Mail, Portalen, Banken und Karten einsammeln, OCR-Metadaten extrahieren, an DATEV, Lexware Office, BuchhaltungsButler und andere Systeme übergeben.
- Was es nicht kann: Buchen, Mahnen, Steuererklärungen, Lohnabrechnung, Bilanzieren.
Die ehrliche Audit-Frage steht damit am Anfang: Brauchen Sie überhaupt eine Zwischenschicht? Bei wenigen Belegen aus wenigen Quellen kann Lexware Office oder DATEV Unternehmen Online die Aufgabe direkt übernehmen. Eine Zwischenschicht lohnt erst, wenn Sie regelmäßig aus mehr als drei bis fünf unterschiedlichen Quellen Belege ziehen oder ein hohes Monats-Volumen haben.
Falls Sie an dieser Stelle schon ins Grübeln kommen, ob Ihr aktuelles Setup das richtige ist: Sprechen Sie uns an, wir prüfen Ihren Belegfluss in einem kurzen Audit-Gespräch
Was die E-Rechnungspflicht seit 2025 verändert hat
Die Frage nach Belegmanagement-Anbindungen steht 2026 anders im Raum als noch vor zwei Jahren. Seit dem 1. Januar 2025 gilt im B2B-Bereich in Deutschland die E-Rechnungspflicht. Inländische Unternehmen müssen elektronische Rechnungen in strukturierten Formaten (XRechnung, ZUGFeRD) empfangen und verarbeiten können. Das Selbst-Ausstellen ist gestaffelt verpflichtend, das Empfangen-Müssen gilt sofort.
Konsequenz für die Anbindung: Wer 2026 ein Belegmanagement neu aufsetzt, denkt nicht mehr nur an PDF-Rechnungen aus E-Mail-Postfächern, sondern an strukturierte E-Rechnungen, die der DATEV-Schnittstelle oder Lexware Office direkt übergeben werden müssen. GetMyInvoices und BuchhaltungsButler unterstützen XRechnung und ZUGFeRD inzwischen beide. Das verschiebt die Wirtschaftlichkeitsschwelle: Wer monatlich 30 bis 40 E-Rechnungen aus Software-Abos, Lieferanten und Banken empfängt, hat einen härteren Grund für Automatisierung als noch 2024.
Die Audit-Frage bleibt trotzdem dieselbe: Brauchen Sie eine Zwischenschicht, oder reicht das Buchhaltungssystem direkt? Die E-Rechnungspflicht macht nicht jedes Tool sinnvoll. Sie macht nur den Status quo „ich sammle das händisch“ endgültig untragbar.
GoBD-konforme Archivierung: Was Anbindung mit Rechtssicherheit zu tun hat
Wer Belege digital empfängt, muss sie auch digital aufbewahren. Das klingt selbstverständlich, scheitert in der Praxis aber regelmäßig. Eine PDF-Rechnung, die im Mail-Postfach liegt und nach drei Jahren vom Provider archiviert wird, ist im Sinne der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung digital (GoBD) keine ordnungsgemäße Aufbewahrung. Im Prüfungsfall kostet das im besten Fall Diskussionen mit dem Finanzamt, im schlechtesten Schätzungen.
Die GoBD verlangen drei Dinge konkret:
- Unveränderbarkeit: Belege müssen so abgelegt sein, dass sie nach Eingang nicht mehr verändert werden können (oder Änderungen nachvollziehbar dokumentiert sind).
- Vollständigkeit und Auffindbarkeit: Jeder Beleg muss innerhalb der Aufbewahrungsfrist von zehn Jahren wiederfindbar sein.
- Verfahrensdokumentation: Sie müssen schriftlich festhalten, wie Belege bei Ihnen entstehen, eingehen, verarbeitet und archiviert werden.
GetMyInvoices und BuchhaltungsButler sind beide GoBD-zertifiziert. BuchhaltungsButler hat zusätzlich eine ISO-27001-Zertifizierung und ein PS-880-Testat. Das bedeutet: Die Tools sind so gebaut, dass die technischen GoBD-Anforderungen erfüllbar sind.
Hier kommt der Haken: GoBD-Zertifizierung des Tools ist nicht dasselbe wie GoBD-Konformität Ihres Unternehmens. Die Verfahrensdokumentation bleibt Ihre Pflicht. Wer GetMyInvoices einrichtet und nirgendwo dokumentiert, wie Belege im Unternehmen den Weg ins Tool finden, hat ein zertifiziertes Tool und trotzdem ein GoBD-Problem.
Praxisempfehlung: Erstellen Sie eine schlanke Verfahrensdokumentation, sobald die Anbindung steht. Zwei bis drei Seiten reichen: Welche Quellen sind angebunden, wer hat Zugriff, was passiert bei Ausfall einer Quelle, wer prüft die Belege, wie sieht der Übergabe-Workflow an die Steuerkanzlei aus. Diese Dokumentation aktualisieren Sie einmal jährlich.
Steuerkanzleien haben in der Regel Vorlagen dafür. Wer keinen Steuerberater hat, findet bei den Bundessteuerberaterkammern oder bei DATEV Muster, die als Ausgangspunkt taugen.
Belegquellen anbinden: Woher GetMyInvoices die Rechnungen holt
Das Tool unterstützt mehrere tausend Quellen. Drei Quell-Typen sind in der Praxis dominant:
- E-Mail-Postfächer (Gmail, Outlook, IMAP)
Die stabilste Quelle. GetMyInvoices liest das Postfach aus, erkennt Rechnungs-Anhänge und legt sie strukturiert ab. Fallstrick: 2-Faktor-Auth bei Gmail braucht ein App-Passwort, sonst scheitert die Anbindung still.
- Lieferanten-Portale (Amazon Business, Telekom, Hetzner, AWS, Microsoft 365, hunderte weitere)
Funktionieren über vorkonfigurierte Skripte, die sich am Portal anmelden und Rechnungen ziehen. Amazon zickt regelmäßig wegen Captchas, das ist normal und kein Fehler im Setup.
- Kreditkarten und Bankkonten (Amex, Visa, Mastercard, klassische Geschäftskonten)
Über PSD2-Schnittstellen oder direkte Anbindungen. Amex funktioniert stabil, manche Sparkassen sind träge bei der Datenfreigabe.
Insider-Tipp: Quellen-Priorisierung statt Vollanbindung. Die häufigste Fehlkonfiguration: jemand bindet alle 30 verfügbaren Quellen an, weil es technisch geht. Das Resultat: zwei Drittel der Anbindungen liefern alle paar Monate einen Beleg und gehen regelmäßig auf Wartung. Besser ist die 80/20-Regel auf Belegebene: Welche fünf bis acht Quellen liefern 80 Prozent Ihres Beleg-Volumens? Diese binden Sie an. Der Rest läuft über manuelle Ablage oder direkten Versand an ein zentrales Postfach.
| Quell-Typ | Stabilität | Aufwand Setup | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| E-Mail per IMAP | Hoch | Niedrig | Immer anbinden |
| Lieferanten-Portal Top 5 | Mittel bis hoch | Mittel | Anbinden |
| Lieferanten-Portal selten genutzt | Variabel | Mittel | Lieber manuell |
| Amex / Visa / Mastercard | Hoch | Niedrig | Anbinden |
| Klassisches Geschäftskonto | Variabel | Mittel | Pro Bank prüfen |
Was tun bei Quellen, die GetMyInvoices nicht unterstützt
Auch ein Tool mit Tausenden Anbindungen hat blinde Flecken. Kleinere Lieferanten, exotische SaaS-Anbieter aus Übersee oder Nischen-Portale fehlen regelmäßig. In dem Fall gibt es drei pragmatische Workarounds:
- Dedizierte Sammel-E-Mail-Adresse
Legen Sie eine E-Mail-Adresse wie belege@ihrefirma.de an, die ausschließlich für Rechnungseingang reserviert ist. Bei nicht unterstützten Lieferanten ändern Sie die hinterlegte Rechnungs-E-Mail auf diese Adresse. GetMyInvoices liest das Postfach aus und greift die Belege automatisch ab.
- Scan-App für Papier und PDF-Downloads
GetMyInvoices hat eine Mobile-App, mit der Sie Papierbelege fotografieren und manuell hochgeladene PDFs einspielen können. Aufwand pro Beleg unter einer Minute.
- Automatisierungs-Brücken über Make oder Zapier
Für Lieferanten, die Rechnungen über ein eigenes Portal mit API-Zugang bereitstellen, lässt sich eine Brücke bauen. Aufwand etwa zwei bis vier Stunden pro Quelle, lohnt sich nur bei wirklich relevantem Volumen.
Die Wahrheit dahinter: Eine vollständige Automatisierung gibt es nicht. Ein gut aufgesetztes Belegmanagement hat immer einen kleinen manuellen Anteil für die Sonderfälle. Wer das von Anfang an einplant statt jede einzelne Quelle automatisieren zu wollen, kommt schneller ans Ziel.
Wenn eine Portalanbindung bei Ihnen wiederholt abbricht oder bestimmte Quellen partout nicht stabil laufen: Wir haben das schon mehrfach durchanalysiert und wissen, wo die Stellschrauben sitzen. Schreiben Sie uns kurz, wir schauen drauf
Buchhaltungs-Anbindungen: Was nach der Beleg-Erfassung passiert
Sobald die Belege im GetMyInvoices-Postfach liegen, geht es um die Übergabe. Hier entscheidet sich, ob die Investition Sinn ergibt oder nicht. Die vier praxisrelevanten Buchhaltungs-Anbindungen:
DATEV Unternehmen Online
Die GetMyInvoices DATEV Schnittstelle ist die mit Abstand häufigste Anbindung im deutschen Mittelstand, weil die meisten Steuerkanzleien auf DATEV pro arbeiten. Wichtig zu wissen: Es gibt nicht eine, sondern zwei DATEV-Schnittstellen, die GetMyInvoices bedient.
- Belegbilderservice Rechnungswesen
Überträgt das reine PDF-Belegbild an DATEV Unternehmen Online, ohne ausgelesene Daten. Schnellere Einrichtung, weniger Pflege in GetMyInvoices nötig. Die Kanzlei muss alle Buchungsdaten selbst aus dem Beleg ziehen.
- Rechnungsdatenservice 1.0
Überträgt PDF plus strukturierte Daten (Lieferant, Rechnungsnummer, Datum, Beträge, Steuerinformationen). Spart der Kanzlei spürbar Zeit, weil Buchungsvorschläge direkt entstehen. Voraussetzung: Alle Belegdaten müssen in GetMyInvoices vollständig gepflegt sein, sonst scheitert der Export. Die OCR-Erkennung leistet einen Teil, den Rest macht Nacharbeit.
Welche der beiden Varianten sinnvoll ist, hängt davon ab, ob Sie die Pflegearbeit in GetMyInvoices auf sich nehmen oder lieber die Steuerkanzlei alles aus dem Beleg ziehen lassen. Das ist eine Prozess- und Kostenentscheidung, keine technische.
- Voraussetzung beim Steuerberater
DATEVconnect online muss als Service bestellt und freigeschaltet sein. Ohne diese Bestellung gibt es keine Anbindung.
- Auth-Voraussetzung
Sie brauchen DATEV SmartLogin (empfohlen) oder DATEV mIDentity compact (Hardware-Stick).
- Fallstrick
Die GetMyInvoices Anbindung an DATEV Unternehmen Online ist nicht dasselbe wie eine direkte DATEV-Mandantenschnittstelle. Manche Kanzleien arbeiten rein mit DATEV pro im eigenen Haus und akzeptieren nur Letzteres. Klären Sie das vor der Tool-Bestellung.
Lexware Office (ehemals Lexoffice)
Schlanke Anbindung. GetMyInvoices schiebt die Belege direkt in Lexware Office, wo OCR-Erkennung und Bankabgleich greifen.
- Stärke
Wenig Reibung, niedriger Setup-Aufwand. Sinnvoll, wenn Lexware Office Ihr Buchhaltungssystem ist und Sie selbst buchen oder Ihrer Steuerkanzlei nur den Steuerberater-Zugang freigeben.
- Wichtig 2026
Lexware Office hat den eigenen Belegempfang per E-Mail deutlich ausgebaut. Bis zu 20 freigegebene Absender-Adressen können Belege direkt an ein Lexware-Postfach senden. Diese Funktion ist allerdings nur in der Version Lexware Office XL verfügbar. Wer XL bereits hat und nur aus wenigen E-Mail-Quellen Belege bekommt, braucht möglicherweise gar keine Zwischenschicht.
- Grenze: Lexware Office deckt einfache Buchhaltung gut ab, stößt bei sehr individuellen Konstellationen oder komplexen Bilanzanforderungen schneller an Grenzen als BuchhaltungsButler.
BuchhaltungsButler
Vollständiges Cloud-Buchhaltungssystem mit eigener KI-gestützter Belegerkennung, direkter DATEV-Schnittstelle und ausgebauter Bankanbindung. BuchhaltungsButler bucht selbst, schlägt nicht nur vor.
- Stärke
Starke OCR und KI-Belegzuordnung, die mit jeder Buchung dazulernt. Sowohl EÜR als auch Bilanzierung möglich. Direkter DATEV-Export an den Steuerberater. Ein Steuerberater-Zugang ist in allen Tarifen kostenlos enthalten.
- Modell
Fair-Use von 500 Belegen pro Monat in jedem Tarif. Es ist kein Preis pro Beleg.
- Was BuchhaltungsButler nicht kann
Rechnungsstellung. Dafür brauchen Sie ein zweites Tool, etwa Lexware Office, sevDesk oder eine eigene Faktura-Lösung.
- Schwellenwert für Sinnhaftigkeit
Ab circa 50 Belegen pro Monat lohnt sich der Einstieg. Darunter ist Lexware Office direkt fast immer günstiger.
- Spezialfall
Wenn Ihr Steuerberater BuchhaltungsButler nicht akzeptiert, sondern auf eigenem DATEV-Workflow besteht, ist die Doppel-Lizenz GetMyInvoices plus BuchhaltungsButler verlorenes Geld.
API-Anbindung an eigene Systeme
Für Setups mit eigenem ERP, individueller Faktura-Software oder Custom-Workflows. GetMyInvoices bietet eine API, die strukturierte Beleg-Daten ausliefert. Auch die BuchhaltungsButler API ist gut dokumentiert und erlaubt direkte Integrationen.
- Wann sinnvoll
Wenn Sie ein eigenes System haben, das die Belege weiterverarbeiten soll, und der Standard-Export nicht passt.
- Wann unnötig
Für Standard-KMU-Setups ist die Standard-Anbindung in einer Stunde eingerichtet. Eine API-Integration kostet das zehn- bis fünfzigfache.
Was bei Auslandssachverhalten passiert
Fremdwährungen, EU-Lieferanten und Reverse-Charge nach §13b UStG sind die Stellen, an denen Belegmanagement-Tools regelmäßig stolpern. Die Realität:
- Fremdwährungs-Belege
GetMyInvoices erfasst Belege in der Original-Währung und überträgt den Betrag mit. Die Umrechnung in Euro passiert in der Regel im Zielsystem (DATEV oder BuchhaltungsButler) zum tagesaktuellen Kurs. BuchhaltungsButler holt sich den Kurs automatisch, in DATEV passiert das je nach Kanzlei manuell oder automatisch.
- EU-Lieferanten und Reverse-Charge
Die korrekte Behandlung nach §13b UStG (Steuerschuldnerschaft beim Leistungsempfänger) und innergemeinschaftlicher Erwerb gehört in die Buchhaltung, nicht ins Aggregator-Tool. GetMyInvoices erkennt den Beleg, aber die richtige Steuerlogik liefert das Buchhaltungssystem oder die Steuerkanzlei. BuchhaltungsButler unterstützt §13b mit 19% standardmäßig, weitere Konstellationen müssen aktiviert werden.
- Drittland-Rechnungen (USA, UK, Schweiz)
Hier wird es haarig. Zoll- und EUSt-Bescheide sind häufig komplexer als die Rechnung selbst und sollten manuell in die Buchhaltung. Tools können sie sammeln, aber die korrekte Verbuchung passiert woanders.
Faustregel: Je internationaler Ihr Belegmix, desto wichtiger ist eine kompetente Steuerkanzlei am Ende der Kette. Das Tool spart Zeit beim Einsammeln, nicht bei der Bewertung.
Kreditkarten und der Amex-Sonderfall
Kreditkarten verdienen eigene Aufmerksamkeit, weil sie ein blinder Fleck in vielen Buchhaltungs-Setups sind. Drei Punkte machen sie zum Sonderthema:
GetMyInvoices hat eine native American-Express-Integration, die nicht über PSD2 läuft, sondern als direkte Anbindung. Damit lassen sich auch die Karten Ihrer Mitarbeitenden zentral mit GetMyInvoices verbinden, ohne dass jeder Mitarbeitende einzeln einen Zugang einrichten muss. Sie sehen alle Transaktionen an einer Stelle. Das ist nicht nur Buchhaltung, sondern auch Kosten-Kontrolle: Was wird tatsächlich auf welcher Karte ausgegeben, wer hat welche wiederkehrenden Abos gebucht, gibt es ungewöhnliche Bewegungen?
Der zweite Mehrwert ist der Abgleich Bank-Karte-Rechnung. GetMyInvoices kann eingehende Rechnungen mit Kreditkarten-Transaktionen automatisch matchen. Sie sehen sofort, zu welcher Karten-Buchung welche Rechnung noch fehlt, und können den Lieferanten proaktiv anschreiben oder die Rechnung im richtigen Portal suchen, bevor der Monatsabschluss kommt. Statt am Stichtag durch 40 Karten-Buchungen zu jagen und Belege zu suchen, arbeiten Sie kontinuierlich an einer kurzen Liste fehlender Belege.
Der dritte Punkt ist Praxis-relevant und wird selten erwähnt: DATEV kann Kreditkartendaten nicht direkt einlesen. Das heißt, Ihre Amex-Monatsabrechnung müssen Sie der Steuerkanzlei separat zukommen lassen, sonst fehlt der Buchhaltung der Überblick. Auch das lässt sich über GetMyInvoices automatisieren: Die Monatsabrechnung wird abgerufen und über den Standard-Workflow an die Kanzlei geschickt, ohne dass Sie monatlich daran denken müssen.
Wenn Sie Mitarbeitende mit Geschäfts-Karten haben und keine zentrale Übersicht über deren Transaktionen besitzen, ist die Kreditkarten-Anbindung in GetMyInvoices der vermutlich schnellste Hebel für mehr Kontrolle. Aufwand fürs Setup: wenige Minuten pro Karte.
Freigabe-Workflows: Wie Sie Fehlzahlungen und Betrug verhindern
Was die meisten KMU beim Belegmanagement übersehen: Eine eingehende Rechnung ist nicht automatisch eine bezahlte Rechnung. Zwischen Eingang und Zahlung sollte eine Prüfung liegen, die im Wachstum oft verloren geht. Ein bekanntes Beispiel zeigt, was passieren kann, wenn diese Prüfung fehlt.
Zwischen 2013 und 2015 wurden Facebook und Google von einem litauischen Betrüger um insgesamt über 100 Millionen US-Dollar geschädigt. Der Betrüger gab sich als Quanta Computer aus, ein tatsächlicher Hardware-Lieferant beider Konzerne, und schickte Rechnungen, die ungeprüft freigegeben und überwiesen wurden. Der Fall flog erst Jahre später auf. Das Problem war nicht Komplexität oder hochtechnisches Hacking, sondern ein fehlender Vier-Augen-Prozess bei der Rechnungsfreigabe.
KMU sind nicht im Visier der gleichen organisierten Betrüger, aber sie haben ein verwandtes Problem: ungeprüfte Rechnungen, die durchgewunken werden, weil die Prüfprozesse mit dem Wachstum nicht mitgezogen sind. GetMyInvoices bietet hier mehrstufige Freigabe-Workflows, die genau diese Lücke schließen.
Wie das in der Praxis aussieht:
- Rolle 1, fachliche Prüfung: IT oder Einkauf bekommen die Rechnung zur Kenntnis und prüfen, ob die Leistung tatsächlich erbracht wurde. „Haben wir diesen Server bekommen? Ist diese Software-Lizenz noch in Nutzung? Stimmt die Position?“
- Rolle 2, kaufmännische Prüfung: Die Finanzabteilung prüft Rechnungsdaten, Steuerausweis, Skonto-Möglichkeiten und Übereinstimmung mit Bestellung oder Vertrag.
- Rolle 3, Freigabe und Zahlung: Erst nach beiden Prüfungen wird die Rechnung freigegeben. Erst dann läuft sie an die Steuerkanzlei und in den Zahlungslauf.
Der Vorteil dahinter: Sie können in GetMyInvoices auch Zahlungsläufe und Zahlungsziele hinterlegen. Statt jede Rechnung sofort nach Erhalt zu bezahlen, sammeln Sie sie und führen Zahlungen zu festen Stichtagen aus. Das spart Bankgebühren, ermöglicht Skonto-Nutzung und schützt Sie vor unnötig früher Liquiditätsbindung.
Ein weiterer Effekt der Freigabe-Workflows: Nur freigegebene Rechnungen gehen automatisch an den Steuerberater. Damit steuern Sie, was zu welchem Zeitpunkt auf dem Tisch der Kanzlei landet und ins System eingespielt wird. Ungeklärte Rechnungen bleiben bei Ihnen, statt der Kanzlei Mehraufwand bei der Klärung zu erzeugen, der dann separat berechnet wird.
In welchen Setups Freigabe-Workflows besonders wichtig werden:
→ Ab etwa 10 bis 15 Mitarbeitenden, wenn Beschaffung und Buchhaltung getrennte Rollen werden
→ Bei hohem Anteil wiederkehrender Lieferanten-Rechnungen, wo Routine schnell zu Routine-Fehlern führt
→ Sobald mehrere Personen Bestellungen auslösen dürfen, ohne dass die Finanzabteilung jede einzeln sieht
→ Wenn das Unternehmen wächst und die „Geschäftsführer-prüft-alles“-Phase vorbei ist
Wer ohne Freigabe-Workflow auskommt, ist entweder noch klein genug, dass alle Bestellungen durch eine Hand laufen, oder hat Glück gehabt, dass noch kein Fake-Lieferant aufgetaucht ist. Wachsende KMU sollten Freigabe-Workflows einrichten, bevor sie sie brauchen, nicht hinterher.
Steuerberater-Zugang einrichten: Der Punkt, an dem die meisten scheitern
Die schönste Anbindung scheitert, wenn die Steuerkanzlei nicht mitspielt. Das ist nicht Schuld der Steuerkanzlei, das ist die Realität ihres Workflows. Wer das ignoriert, kauft Software, die im Regal liegt.
Wer macht was bei der DATEV-Anbindung:
- Steuerberater
Bestellt DATEVconnect online (kostenpflichtiger Service), legt den Mandanten in DATEV Unternehmen Online an, schaltet den Belegbilderservice oder Rechnungsdatenservice 1.0 frei, gibt Zugangsdaten an den Mandanten weiter, definiert den Buchungskonten-Rahmen.
- Mandant (Sie)
Hinterlegt die DATEV-Zugangsdaten in GetMyInvoices, authentifiziert sich über DATEV SmartLogin oder DATEV mIDentity compact, wählt die Token-Haltbarkeit (11 Stunden oder 2 Jahre), legt fest, welche Belegkategorien in welchen Buchungsbereich laufen.
- GetMyInvoices
Liefert technisch, sobald Wirtschaftsjahre und Bücher in DATEV Unternehmen Online angelegt sind.
Wo es regelmäßig hakt:
→ Die Steuerkanzlei arbeitet noch ohne DATEV Unternehmen Online, sondern rein mit DATEV pro im eigenen Haus. Die GetMyInvoices DATEV Anbindung greift dort ins Leere.
→ DATEVconnect online wurde nie bestellt. Die Kanzlei muss das aktivieren, vorher passiert nichts.
→ Wirtschaftsjahre oder Buchungsbereiche sind in DATEV Unternehmen Online nicht für das aktuelle Geschäftsjahr angelegt. Belege landen ins Leere und werfen Fehlermeldungen.
→ Die Kanzlei akzeptiert keinen BuchhaltungsButler-Export, weil das Buchungsschema nicht zum eigenen Workflow passt.
→ Belegkategorien sind in GetMyInvoices nicht sauber gemappt, die Kanzlei muss nacharbeiten und stellt diese Zeit in Rechnung.
Ein typischer Fall aus unserer Praxis bei einem Personaldienstleister: Ein mittelständischer Personaldienstleister mit etwa 40 Mitarbeitenden im Innendienst und mehreren hundert Zeitarbeitskräften nutzte BuchhaltungsButler für die laufende Buchhaltung und wollte die Belege direkt an seine Steuerkanzlei übergeben. Die Kanzlei lehnte den BuchhaltungsButler-Export ab. Begründung: Die Kanzlei arbeitete ausschließlich mit DATEV pro im eigenen Haus, ohne DATEV Unternehmen Online für den Mandanten. Das BuchhaltungsButler-Buchungsschema passte nicht zum Kontenrahmen, den die Kanzlei für Personaldienstleister mit Arbeitnehmerüberlassung etabliert hatte. Konkret kollidierten die Konten für Personalkosten, Sozialabgaben und die getrennte Behandlung von internen Mitarbeitenden und überlassenen Arbeitskräften.
Unsere Lösung lief in drei Schritten. Erstens haben wir mit der Steuerkanzlei einen sauberen Datenaustausch verhandelt: Die Kanzlei bekommt von uns die strukturierten Belegdaten aus BuchhaltungsButler in einem für DATEV pro lesbaren Export-Format, statt sie über DATEV Unternehmen Online ziehen zu müssen. Zweitens haben wir den BuchhaltungsButler-Kontenrahmen so angepasst, dass er dem Kanzlei-Schema entsprach, statt umgekehrt zu erwarten, dass die Kanzlei sich umstellt. Drittens haben wir den Übergabe-Workflow auf einen festen Monatstakt umgestellt, damit der Belegfluss für beide Seiten planbar wird.
Lernpunkt aus diesem und ähnlichen Fällen: Wer ein Belegmanagement-Tool gegen die Kanzlei einrichtet, verliert. Die Frage ist nicht, ob das Tool technisch besser ist, sondern ob die Kanzlei das Ergebnis annimmt. Wenn nicht, muss entweder das Tool zur Kanzlei oder die Kanzlei zum Tool passen. Beides kostet, aber das Ignorieren des Konflikts kostet am meisten.
Erste Regel vor der Tool-Auswahl: Sprechen Sie mit Ihrer Steuerkanzlei. Fragen Sie konkret, ob DATEVconnect online aktiv ist, welche der beiden Übertragungsvarianten (Belegbilderservice oder Rechnungsdatenservice 1.0) sie bevorzugt und ob BuchhaltungsButler-Exporte akzeptiert werden. Diese drei Informationen sind die Grundlage Ihrer Anbindungs-Entscheidung, nicht das Feature-Set des Tools.
Mehrere Firmen, mehrere Mandanten: Was bei Holdings und Mehrfach-GmbHs anders ist
Wer mehrere Firmen führt, Holding-Strukturen hat oder als Steuerkanzlei für viele Mandanten arbeitet, stößt auf eine Frage, die in jedem Standard-Vergleich fehlt: Wie skaliert die Lizenz? Die Antwort ist je nach Tool unterschiedlich und kann den Unterschied zwischen einer wirtschaftlichen und einer teuren Lösung ausmachen.
- GetMyInvoices Mandantenverwaltung
GetMyInvoices hat einen dedizierten Mandanten-Modus, in dem mehrere Firmen unter einem Account verwaltet werden. Steuerkanzleien können für ihre Mandanten Konten anlegen, Belege einsehen und den DATEV-Transfer starten. Für eigenständige Firmen mit mehreren GmbHs lohnt sich eher ein eigener Account pro Firma, weil sich Buchhaltungsdaten sauber trennen lassen müssen.
- BuchhaltungsButler mit mehreren Firmen
BuchhaltungsButler ist standardmäßig für eine Firma pro Account ausgelegt. Wer mehrere Firmen abrechnet, braucht entweder mehrere Accounts oder den Premium-Tarif mit unbegrenzten Nutzerzugängen plus Workaround. Das ist nicht ideal, sollten Sie vor der Buchung klären.
- Lexware Office bei mehreren Firmen
Pro Firma ein Account. Eine Multi-Mandanten-Verwaltung in einem Konto gibt es nicht.
- Lizenzierungs-Falle, die regelmäßig zuschlägt
Eine Holding kauft GetMyInvoices, Lexware Office und einen Steuerkanzlei-Zugang für die Mutter. Drei Monate später kommt die Tochter-GmbH dazu, dann eine zweite, dann die GbR für ein Joint-Venture. Plötzlich braucht es drei oder vier separate Lizenzen, die Buchhaltung muss neu strukturiert werden und die ursprüngliche Anbindung passt nicht mehr.
- Praxisempfehlung: Wenn Sie absehbar mehrere Firmen führen werden, klären Sie die Lizenz-Frage vor dem ersten Kauf. Sondertarife für Holdings, Konzern-Strukturen oder Steuerkanzlei-Setups sind bei beiden Anbietern verhandelbar, aber nicht über die Standard-Webseite buchbar. Eine kurze Anfrage beim Vertrieb spart später viel Geld.
Migration von einem Tool zum anderen: Was Sie vor dem Wechsel klären müssen
Tool-Wechsel im Belegmanagement sind häufiger, als die Anbieter zugeben. Wer von GetMyInvoices auf BuchhaltungsButler wechselt (oder umgekehrt), wer Lexware Office gegen DATEV tauscht oder wer das ganze Setup aus Wachstumsgründen umbaut, stößt auf drei Probleme, die selten in Marketing-Materialien stehen.
Problem 1: Historische Belege und Aufbewahrungspflicht.
Die zehnjährige GoBD-Aufbewahrungsfrist gilt unabhängig vom verwendeten Tool. Wer GetMyInvoices kündigt, muss die Belege vorher exportieren und an einem revisionssicheren Ort ablegen. Beide Anbieter haben Export-Funktionen, aber der Re-Import in ein neues Tool ist nicht immer sauber.
- Empfehlung: Vor dem Wechsel die letzten 24 Monate Belege als ZIP exportieren und parallel in ein DMS oder ein Archiv-System laden. Erst dann kündigen.
Problem 2: Steuerberater-Workflow im Übergang.
Die Steuerkanzlei hat sich an den eingespielten Übergabe-Prozess gewöhnt. Ein Tool-Wechsel mitten im Geschäftsjahr bedeutet: andere Belegformate, anderes Buchungsschema, andere Übergabe-Frequenz. Manche Kanzleien stellen den Mehraufwand in Rechnung.
→ Empfehlung: Wechsel idealerweise zum Jahreswechsel. Wenn das nicht geht, mindestens zwei Monate Vorlauf mit der Kanzlei abstimmen.
Problem 3: Parallelbetrieb in der Übergangsphase.
In den ersten vier bis sechs Wochen nach Wechsel laufen beide Tools parallel. Das verursacht doppelte Kosten und doppelte Pflege. Wer das nicht einplant, hat plötzlich Belege in beiden Systemen und niemand weiß, welcher der gültige ist.
→ Empfehlung: Ein klares Stichdatum festlegen, ab dem neue Belege nur noch im neuen System eingehen. Alte Belege werden im alten System abgewickelt und nach Abschluss exportiert. Das alte Tool läuft im Read-only-Modus weiter, bis alle offenen Vorgänge geschlossen sind.
Wer schon einmal mitten in einem Tool-Wechsel steckt und nicht weiter kommt: Wir haben das mehrfach begleitet und wissen, wo die wunden Punkte sitzen. Melden Sie sich, wir sortieren das mit Ihnen.
Bevor Sie eine Anbindung einrichten: Drei Prozess-Fragen
Das Tool ist die letzte Frage, nicht die erste. Bevor Sie GetMyInvoices, BuchhaltungsButler oder irgendetwas anderes lizenzieren, beantworten Sie diese drei Fragen ehrlich:
Frage 1: Wie viele Belege landen aktuell pro Monat bei Ihnen?
Unter 50 Belege monatlich rechnet sich keine Zwischenschicht. Zwischen 50 und 200 wird es interessant. Über 200 ist Aggregation fast immer sinnvoll. Zählen Sie nicht, was Sie schätzen, sondern was Sie messen. Ein Blick in den letzten Quartalsabschluss reicht.
Frage 2: Wer prüft, wer bucht, wer zahlt? Und sind das dieselben oder unterschiedliche Personen?
In vielen kleinen Unternehmen macht eine Person alles drei. Hier ist GetMyInvoices oft Overkill. Sobald Prüfung, Buchung und Zahlung auf zwei oder drei Rollen verteilt sind, entstehen Übergabe-Verluste, die ein Aggregator wegnehmen kann.
Frage 3: Wo entstehen die Belege wirklich? Und welche fünf Quellen machen 80 Prozent aus?
Listen Sie die Quellen auf. Nicht alle, nur die mit dem höchsten Volumen. Wenn diese Liste kurz ist, brauchen Sie keine Zwischenschicht. Wenn sie lang und verteilt ist, lohnt es sich.
Ein Audit-Fall aus unserer Praxis macht den Schmerz konkret: Ein KMU mit etwa 20 Mitarbeitenden bekam von der Steuerkanzlei monatlich eine OPOS-Liste (Liste offener Posten) mit 40 bis 50 fehlenden Belegen zurück. Software-Abos wie Canva, Microsoft 365, Vimeo, Internet- und Lieferantenrechnungen, Werbe-Konten bei Meta und LinkedIn. Bei Dauerfristverlängerung der Umsatzsteuer-Voranmeldung war die Liste oft schon zwei bis drei Monate alt, bevor jemand sie überhaupt zur Kenntnis nahm.
Dann begann die eigentliche Arbeit. Die Frage „Wer hat den Canva-Account?“ startete eine interne Suche. Drei verschiedene Mitarbeitende hatten das Tool auf eigene Logins gebucht, einer war im Urlaub, der zweite hatte das Passwort vergessen und musste erst den Reset-Prozess durchlaufen, der dritte wusste nicht mehr, mit welcher Mail-Adresse er sich registriert hatte. Bei Vimeo dasselbe Spiel. Bei Microsoft 365 lag der Zugang beim ehemaligen IT-Verantwortlichen, der inzwischen das Unternehmen verlassen hatte. Aus „kurz die Rechnung raussuchen“ wurden drei Wochen Hinterher-Telefonieren, parallel zum Tagesgeschäft.
Die Folge: Die Steuerkanzlei parkte die Vorgänge auf einem Interimskonto (Klärungskonto), was zusätzliche Buchungsaufwände und Kosten bei der Kanzlei produzierte. Die Vorsteuer konnte erst später gezogen werden, was bei höheren Beträgen ein Liquiditätsthema wird. Der Geschäftsführer investierte mehrere Wochen pro Jahr, um Belege zu jagen, die längst hätten zentral vorliegen sollen.
Unsere Lösung lief in drei Schritten. Erstens haben wir eine zentrale Sammel-E-Mail-Adresse (belege@firma.de) eingerichtet und bei allen Software-Abos als Rechnungsadresse hinterlegt. Diese Adresse läuft direkt in das GetMyInvoices-Belegpostfach. Zweitens haben wir geklärt, welche Konten als Team-Accounts geführt werden sollten und welche als Einzel-Accounts bleiben können. Drittens haben wir die Lieferanten-Portale, die zuverlässig Belege ausliefern, in GetMyInvoices direkt angebunden. Nach zwei Monaten war die OPOS-Liste auf unter zehn Belege geschrumpft, der Großteil davon tatsächlich verspätete Rechnungen, kein Suchaufwand mehr.
Lernpunkt: Das Tool ist nicht das Problem. Der fehlende Beleg-Eingangs-Prozess ist es. Wer das Tool ohne Eingangs-Disziplin einrichtet, hat ein gut konfiguriertes System, das trotzdem leer bleibt.
GetMyInvoices, BuchhaltungsButler oder direkt Lexware Office: Welche Kombination wann sinnvoll ist
Es gibt keine richtige Antwort, es gibt eine passende. Hier ein Entscheidungsraster für die häufigsten KMU-Profile, mit belastbaren Größenordnungen Stand 2026:
| Profil | Beleg-Volumen | Steuer-Setup | Empfohlene Anbindung | Kosten-Größenordnung |
|---|---|---|---|---|
| Selbstbucher / Einzelunternehmen | bis ca. 50 / Monat | Lexware Office, kein Steuerberater oder nur Jahresabschluss | Lexware Office direkt (XL-Tarif für E-Mail-Belegempfang) | Lexware Office XL je nach Tarif, kein Zusatz-Tool nötig |
| Kleines KMU mit vielen Online-Quellen | 20 bis 150 / Monat | Lexware Office plus Steuerkanzlei | GetMyInvoices plus Lexware Office | GetMyInvoices ab ca. 11 bis 19 € / Monat netto plus Lexware Office |
| KMU mit Steuerkanzlei und DATEV | 100 bis 500 / Monat | DATEV Unternehmen Online über Kanzlei | GetMyInvoices plus DATEV-Belegtransfer (Belegbilderservice oder Rechnungsdatenservice 1.0) | GetMyInvoices mittlere Tarife, plus Kanzlei-Aufwand für Belegerfassung |
| Wachsende Firma mit eigenem Buchhalter | über 500 / Monat | Eigene Buchhaltung mit DATEV-Export | BuchhaltungsButler (Light bis Premium) oder ERP plus API | BuchhaltungsButler ab ca. 29,90 € / Monat (Light, jährlich) bis 89,90 € (Premium, monatlich) |
Wichtig: Die Preise gelten Stand 2026, jeweils netto, prüfen Sie aktuelle Tarife direkt beim Anbieter. Die Spalte zeigt Größenordnungen, keine Tageswerte. Sondertarife (etwa GetMyInvoices über den DATEV-Marktplatz) können den Einstieg günstiger machen.
Wirtschaftlichkeits-Schwellen aus Praxis-Recherche:
- GetMyInvoices lohnt sich ab circa 20 digitalen Belegen pro Monat, vor allem wenn diese aus mehreren Online-Portalen kommen.
- BuchhaltungsButler rechnet sich ab circa 50 Belegen pro Monat. Darunter ist Lexware Office direkt fast immer günstiger.
- Wer Lexware Office XL bereits einsetzt und nur aus E-Mail-Quellen Belege bekommt, braucht keine Zwischenschicht. Die XL-eigene Belegempfangs-Funktion mit bis zu 20 freigegebenen Absender-Adressen reicht für viele Selbstbucher.
Was wir bewusst nicht empfehlen: ein bestimmtes Tool als pauschale Lösung. Die Anbindung folgt dem Prozess, nicht umgekehrt. Wer ohne Audit ein Tool kauft, kauft das nächste Chaos.
Eine kurze Übersicht der ernsthaften Alternativen, die im Markt mitspielen und die je nach Setup besser passen können als die genannten:
- Candis: Stärker auf Rechnungsprüfung und Freigabe-Workflows ausgelegt, weniger auf reine Beleg-Aggregation.
- fynk: Vertragsmanagement plus Beleg-Workflows, sinnvoll für Firmen mit vielen wiederkehrenden Verträgen.
- Pleo: Kreditkarten-getriebenes Spesen- und Belegmanagement, gut für Firmen mit vielen Mitarbeiter-Auslagen.
- sevDesk: Konkurrenz zu Lexware Office mit eigener Beleg-Sammelfunktion, oft günstiger als BuchhaltungsButler bei kleinerem Volumen.
- Rechnungsradar: Spezialisiert auf E-Mail-Belegerkennung mit direkter Lexware-Office-Anbindung, günstiger als GetMyInvoices, aber kein Portal-Scraping.
- Direkter Hersteller-Weg: Bei sehr standardisierten Setups reicht die hauseigene Lexware Office XL oder DATEV-Belegfunktion ohne Aggregator.
Die Frage ist nicht, welches Tool, sondern welcher Prozess das Tool tragen soll. Wenn Sie diese Frage gemeinsam mit jemandem durchgehen möchten, der die Kombinationen schon mehrfach in der Praxis aufgesetzt hat: Kontaktieren Sie uns, wir nehmen uns eine halbe Stunde Zeit
Was nach dem Setup wirklich Arbeit macht: Pflege und Wartung der Anbindungen
Eine der größten Illusionen beim Belegmanagement: „Einmal eingerichtet, läuft es.“ Das stimmt für die ersten Wochen. Danach beginnt die eigentliche Arbeit, die niemand auf der Verkaufsfolie zeigt.
- Passwort-Änderungen bei Lieferanten: Sobald ein Lieferant Sie zwingt, Ihr Portal-Passwort zu wechseln, bricht die Anbindung. GetMyInvoices erkennt das, aber jemand muss das neue Passwort hinterlegen. Bei zehn angebundenen Portalen passiert das im Schnitt zwei bis drei Mal pro Monat.
- Abgelaufene PSD2-Token: Bank-Anbindungen über PSD2 müssen alle 90 oder 180 Tage neu autorisiert werden. Wenn Sie das verschlafen, fehlen plötzlich Wochen an Kreditkarten-Belegen, was am Quartalsende Stress bedeutet.
- Captcha-Updates bei großen Portalen: Amazon, Google, Microsoft und andere ändern regelmäßig ihre Login-Verfahren oder bauen neue Sicherheitsabfragen ein. GetMyInvoices passt sich an, aber zwischen der Änderung und der Tool-Anpassung können ein paar Tage liegen, in denen die Anbindung still steht.
- DATEV-Token-Erneuerung: Wer die Token-Haltbarkeit auf zwei Jahre gesetzt hat, muss sich nach Ablauf neu anmelden. Wer das vergisst, sieht erst beim nächsten Belegtransfer, dass nichts ankommt.
- Neue Lieferanten und neue Quellen: Jeder neue Software-Anbieter, jeder Wechsel des Mobilfunk- oder Internet-Anbieters, jeder neue Versanddienstleister bedeutet eine neue Quelle. Wer das nicht aktiv pflegt, hat schnell zwei oder drei zusätzliche Beleg-Töpfe nebenher.
Faustregel: Rechnen Sie mit einer halben bis einer Stunde Wartungsaufwand pro Monat, sobald zehn oder mehr Quellen angebunden sind. Wer das nicht einplant, hat nach sechs Monaten ein System, das halb funktioniert und niemand weiß warum.
Wer keine Lust hat, sich selbst um die Wartung zu kümmern: GetMyInvoices bietet einen kostenpflichtigen Priority-Care-Service, der Portalverbindungen monatlich überwacht. Alternativ können Sie die Wartung an einen externen Partner geben, der die Anbindungen im Blick hält und Probleme proaktiv löst.
Bevor Sie das nächste Tool kaufen
Die häufigste Wahrheit in Belegmanagement-Audits: Das Tool, das fehlt, ist nicht das Problem. Das Tool, das schon da ist, wird nicht richtig genutzt, oder es passt nicht zum Prozess.
Wenn Sie sich bei einer der drei Audit-Fragen weiter oben unsicher waren, ist das kein Versäumnis. Es ist genau der Grund, vor der Anbindung noch einmal kurz auf den Tisch zu klopfen. Eine Stunde Prozess-Audit spart Ihnen leicht ein Jahr falsches Tool.
Wir schauen uns Ihren Beleg-Prozess einmal sauber durch, bevor Sie etwas einrichten oder wechseln. Konkret: Quellen, Volumen, Steuerberater-Workflow, Übergabe-Punkte. Danach wissen Sie, ob GetMyInvoices, BuchhaltungsButler, Lexware Office direkt oder gar nichts davon der richtige nächste Schritt ist.
Und wenn etwas schon installiert ist und trotzdem nicht rund läuft, gilt das genauso. Anbindungen, die nicht stabil laufen, Belege, die in DATEV ins Leere fallen, ein BuchhaltungsButler-Export, den die Kanzlei nicht annimmt, oder eine Holding-Struktur, die nicht in das aktuelle Tool passt: Das sind alles Probleme, die wir kennen und lösen.
Schreiben Sie uns oder buchen Sie ein kurzes Erstgespräch, wir helfen Ihnen weiter
Häufige Fragen zu GetMyInvoices Anbindungen (FAQ)
Was kostet GetMyInvoices?
Die Einstiegspakete beginnen Stand 2026 bei circa 11 bis 19 Euro pro Monat netto, je nach Tarif und Vertragslaufzeit. Höhere Tarife steigen mit Mandanten-Zahl und Belegvolumen. Über den DATEV-Marktplatz gibt es Sonderkonditionen für DATEV-Mitglieder. Steuerberater-Tarife werden separat lizenziert.
Kann GetMyInvoices direkt nach DATEV exportieren?
Ja, über zwei verschiedene Schnittstellen: den Belegbilderservice Rechnungswesen (nur Belegbild) und den Rechnungsdatenservice 1.0 (Belegbild plus strukturierte Daten). Beide laufen über DATEV Unternehmen Online. Voraussetzung ist, dass Ihr Steuerberater DATEVconnect online bestellt und Sie als Mandanten freigeschaltet hat.
Holt GetMyInvoices auch Amazon-Belege und Amex-Abrechnungen?
Ja, beide Quellen werden unterstützt. Amazon zickt regelmäßig wegen Captchas und Sicherheitsabfragen, das ist normal und kein Setup-Fehler. Amex läuft in der Regel stabil über die PSD2-Schnittstelle.
Was ist der Unterschied zwischen GetMyInvoices und BuchhaltungsButler?
GetMyInvoices ist ein Beleg-Aggregator, der Rechnungen einsammelt und an andere Systeme weiterreicht. BuchhaltungsButler ist ein vollständiges Cloud-Buchhaltungssystem mit eigener KI-Belegerkennung, direkter DATEV-Schnittstelle und Bankanbindung. Beide lassen sich kombinieren oder teilweise ersetzen, je nach Setup und Steuerkanzlei.
Lohnt sich die BuchhaltungsButler API für unsere IT-Anbindung?
Wenn Sie ein eigenes ERP oder einen Custom-Workflow haben: ja, die API ist dokumentiert und stabil. Für Standard-KMU-Setups ist die vorgefertigte Anbindung schneller eingerichtet und deutlich günstiger als eine API-Integration.
Kann ich GetMyInvoices kündigen, wenn meine Buchhaltung das Tool selbst hat?
Ja, das ist häufig sinnvoll. Klären Sie vor dem Wechsel, wo der eigentliche Engpass liegt: beim Einsammeln der Belege oder beim Verbuchen. Liegt er nur beim Einsammeln und Sie nutzen Lexware Office XL, reicht oft der eigene E-Mail-Belegempfang von Lexware Office. Bei vielen Portal-Quellen bleibt GetMyInvoices die robustere Wahl.
Brauche ich überhaupt eine Zwischenschicht wie GetMyInvoices?
Nicht zwingend. Bei wenigen Belegen aus wenigen Quellen tut es Lexware Office oder DATEV Unternehmen Online direkt. Eine Aggregations-Schicht rechnet sich ab vielen unterschiedlichen Quellen oder hohem Beleg-Volumen, vorher ist sie zusätzliche Komplexität ohne Mehrwert.
Ist GetMyInvoices GoBD-konform?
Ja, GetMyInvoices ist GoBD-zertifiziert und unterstützt eine revisionssichere Archivierung. Wichtig zu wissen: Die Zertifizierung des Tools allein macht Ihr Unternehmen nicht GoBD-konform. Sie brauchen zusätzlich eine schriftliche Verfahrensdokumentation, die beschreibt, wie Belege bei Ihnen erfasst, geprüft und archiviert werden.
Was passiert mit meinen Daten, wenn ich das Tool kündige?
Sowohl GetMyInvoices als auch BuchhaltungsButler bieten Export-Funktionen für alle gespeicherten Belege und Daten. Sie sollten vor der Kündigung einen vollständigen Export ziehen und an einem revisionssicheren Ort archivieren, um die zehnjährige GoBD-Aufbewahrungspflicht zu erfüllen. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass der Anbieter Ihre Daten nach Vertragsende noch vorhält.
Funktionieren GetMyInvoices und BuchhaltungsButler auch in Österreich oder der Schweiz?
GetMyInvoices ist DACH-fähig und unterstützt Belege aus Österreich und der Schweiz, einschließlich Anbindungen an österreichische Banken und Portale. BuchhaltungsButler ist primär auf den deutschen Markt und deutsches Steuerrecht ausgelegt. Für österreichische oder schweizerische Buchhaltung sind lokale Lösungen wie BMD, RZL oder Bexio in der Regel die bessere Wahl.
Wie sicher sind meine Login-Daten in GetMyInvoices?
GetMyInvoices speichert Zugangsdaten verschlüsselt und ist ISO-27001-zertifiziert. Die Anbindung an Portale erfolgt über die regulären Login-Verfahren der Anbieter, GetMyInvoices nutzt also keine Hintertür. Dennoch gilt: Wer Bedenken hat, dass ein externes Tool Zugang zu einem geschäftskritischen Konto hat, sollte für besonders sensible Quellen über eine manuelle Belegerfassung nachdenken. Eine vollständige Risikofreiheit gibt es nicht.